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Familie oder Karriere
Ziegler, Y. & Graml, R. (2011). Die Illusion von der Vereinbarkeit von Familie und Karriere: Erkenntnisse aus der Frankfurter Karrierestudie 2010.
Die von Dr. Yvonne Ziegler und Prof. Dr. Regine Graml veröffentlichte Studie untersucht die Karriereperspektiven berufstätiger Mütter sowie die in ihrem Arbeitsumfeld gesammelten Erfahrungen der Befragten. Insgesamt nahmen 2010 1.801 Teilnehmerinnen an der Online-Erhebung teil. 95% der Frauen waren berufstätig, die restlichen 5% gaben an Hausfrau oder arbeitssuchend zu sein. Die Mehrheit der Teilnehmerinnen hatte Abitur (70%) und einen Hochschulabschluss (65%). Ein zentrales Ergebnis der Studie war die Aussage von immerhin 42% der Befragten, dass ihr Beruf keinen geringeren Stellenwert als die Familie habe. Es zeigt sich somit, dass die Vereinbarkeit dieser beiden Komponenten von hoher Relevanz für die Studienteilnehmerinnen ist. Dass gerade die angestrebte Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben von den Unternehmen oftmals noch kritisch betrachtet wird, zeigt die Aussage von einem Drittel der Befragten, dass Schwangerschaften der Arbeitnehmerinnen als kritisch, wenn nicht sogar als störend empfunden werden. Knapp 70% der Studienteilnehmerinnen geben in diesem Kontext an, dass ihre Vorgesetzten eine familienfreundliche Grundeinstellung haben. Auch veranschaulichen die Ergebnisse, dass bei den Befragten - trotz eventueller liberaler Einstellung des Vorgesetzten der Schwangerschaft gegenüber - ein gewisser Druck verspürt wurde, an den Arbeitsplatz relativ zeitnah zurückzukehren, obwohl 87% der Befragten angaben, sich die Dauer der Elternzeit selbst gesetzt zu haben. Insgesamt gaben knapp 70% der Studienteilnehmerinnen in diesem Kontext an, dass sie einen beruflichen Nachteil auf Grund einer zu lang genommenen Elternzeit befürchten, 12% dieser Frauen fürchteten sogar einen Arbeitsplatzverlust. Die Möglichkeit bis zu drei Jahre zu pausieren wurde von den Befragten dementsprechend so gut wie gar nicht ausgeschöpft. 19% der Mütter nahmen sich eine Auszeit bis zu drei Monaten, 32% pausierten bis zu 6 Monate, 51% gaben an, zwischen 7 und 24 Monaten Elternzeit genommen zu haben. Lediglich 17% haben sich dazu entschlossen, 25 Monate und mehr auszusetzen. Es zeigt sich somit, dass unternehmensbezogene Rahmenbedingungen als zentrale Einflussvariable auf die eigene Entscheidungsfindung bezüglich der Elternzeitlänge fungieren.
68% der Frauen gaben an, dass sie nach genommener Elternzeit wieder in das Unternehmen zurückkehrten, wobei davon 26% eine andere Position übernommen haben. Lediglich ein Drittel derjenigen, die in eine neue Position versetzt wurden, sprechen von einer beruflichen Verbesserung. Demnach konnte das Positionsniveau beim Rest nicht aufrecht gehalten werden.
Ebenso wurde in der von Ziegler und Graml verfassten Forschungsstudie das am Arbeitsplatz erfahrene diskriminierende Verhalten der Arbeitnehmerinnen erfasst. 65% der Befragten erlebten am Arbeitsplatz u.a. pauschalisierende Bemerkungen (1) Frauen gegenüber, 56% der Studienteilnehmerinnen erlebten eine wohlwollende Ausbeutung (2), 53% erlebten sogar eine bewusste kollegiale Ausgrenzung (3).
83% gaben an, trotz allem die Aufgaben im Unternehmen und ihr Familienleben zufriedenstellend vereinbaren zu können. Dennoch sprechen sich 82% der Frauen für qualifizierte Teilzeittätigkeiten als Maßnahme für eine verbesserte Arbeitswelt aus, 79% fordern gar einen Bewusstseinswandel, nur 22% der Befragten konnten bereits einen Bewusstseinswandel bei Vorgesetzten und Kollegen verzeichnen. Die Hälfte der Befragten fordert eine klare Quotenregelung mit Zielvereinbarungen für die Unternehmen.
Die Studienergebnisse machen einen noch ausstehenden Handlungsbedarf, insbesondere auf Seiten der Unternehmen, deutlich. Bereits in den Unternehmen umgesetzte Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind somit zwingend weiter auszubauen, gerade vor dem Hintergrund, dass der Beruf -wie in dieser Studie deutlich wurde- bei berufstätigen Müttern einen so hohen Stellenwert beigemessen bekommt.
Abrufbar unter: www.fh-frankfurt.de/de/.media/fb3/materialien_lehrende/ziegler/graml_gip_2_2011.pdf
1 In der Studie beschrieben als Subjektive Objektivierung: Wenn pauschal über die Gruppe "Frau" oder "Mutter" geurteilt wird.
2 Wohlwollende Ausbeutung: Der Frau wird Kleinarbeit übertragen, um sich in ein Themenfeld einzuarbeiten. Das Endprodukt der Arbeit wird dann einem Mann zugeschrieben.
3 Kollegiale Ausgrenzung: Besprechungen mit Netzwerkeffekt werden auf "Familienzeiten" gelegt.
Berufstätige Mütter fördern die Entwicklung Ihrer Kinder
McMunn, A. et al. (2011). Maternal employment and child socio-emotional behaviour in the UK: longitudinal evidence from the UK Millenium Cohort Study. In: Journal of Epidemiology and Community Health
Die in Großbritannien durchgeführte Studie mit einer Stichprobenanzahl von knapp 19.000 Kindern berufstätiger Mütter konnte entgegen bisheriger Untersuchungen keinen signifikanten Nachteil für Kinder in ihrer emotionalen und sozialen Verhalten innerhalb der ersten fünf Lebensjahren feststellen; vielmehr wirkte sich die Berufstätigkeit der Mütter-insbesondere auf Mädchen- positiv aus: Mädchen in traditionellen Haushalten (Vater Hauptverdiener, Mutter Hausfrau) wiesen doppelt so oft Verhaltensauffälligkeiten auf wie Mädchen in Haushalten, in denen beide Elternteile einer Beschäftigung nachgingen. Dieser Effekt trat unabhängig vom erzielten Haushaltseinkommen, dem Bildungsstatus der Mutter sowie einem u.U. bestehenden Depressionsaufkommen seitens der Mutter auf. Demgegenüber wiesen Jungen, in denen die Mutter als Hauptverdienerin der Familie auftrat, signifikant häufiger Verhaltensprobleme im Alter von fünf Jahren auf als Jungen in Familien, in denen beide Elternteile gleichermaßen einer Beschäftigung nachgingen. Am idealsten für die Entwicklung der Kinder -unabhängig vom Geschlecht- erwiesen sich Familienkonstellationen, in denen beide Elternteile in einem Haushalt lebten und in gleicher Weise einer Beschäftigung nachgingen. Diese Studie ist die erste Untersuchung, die Geschlechtsunterschiede bezüglich den Auswirkungen mütterlicher Berufstätigkeit nachweisen konnte.
